Gilberton Farm
Am Donnerstag mussten wir bei Zeiten aufstehen, denn halb 9 kamen Lyn und Anna und haben uns vom Hostel abgeholt. Nachdem alle Sachen verstaut waren und wir noch Ben (Lyn´s Schwiegersohn) eingesammelt hatten, haben wir noch ein paar kleinere Wege erledigt und dann ging´s los Richtung Gilberton Farm. Die erste Zeit waren die Straßen noch voll betoniert, dann nur noch zur Hälfte, sodass man einem entgegenkommenden Fahrzeug ausweichen musste und nachdem wir dann eine Mittagspause an einem Roadhouse gemacht haben, was die kleinste Bar der Welt beherbergte, gab es nur noch rote Sandstraßen ohne Asphalt. Viele Kängurus haben wir auf der Fahrt gesehen, jedoch leider mehr tot als lebendig :(
Nachdem wir Ben auf seiner Farm abgesetzt hatten sind wir noch zu Anna´s Großeltern gefahren und haben dort was abgegeben und dann endlich zu unserem neuen zu Hause. Zwischendurch mussten wir noch hautnahe miterleben, wie ein armes Känguru zwischen die Räder des Jeep gekommen ist (ich, Tina, will es bitte nicht nochmal erleben!). Angekommen auf der Farm lernten wir gleich Bobbie Bear (ein Goldsucher und Freud der Familie) und Ashley (Lyn´s Sohn) kennen.
Schnell haben wir unsere Sachen in unserer neuen Unterkunft verstaut und unser Duschzeug geschnappt und ab ging´s zum Haupthaus, ca. 300m von hier entfernt. Nachdem wir uns erfrischt hatten gab es dann auch schon Abendbrot und dann gings relativ schnell ins Bett, denn wir hatten eine 7-stündige Fahrt hinter uns. Wir schlafen in einer Art Container, in dem viele einzelne Zimmer sind. Bobbie wohnt auch in so einer Wohnung. Die Toilette ist von ein paar Wellblechplatten umgeben und um warm zu Duschen machen wir uns jeden Tag ein Feuer an :) etwas spartanisch, aber irgendwie cool :)
Am ersten Tag haben wir uns ein bisschen auf der Farm umgeschaut, aber längst nicht alles gesehen, denn sie ist knapp 45000 ha groß :-O !
Wir haben schon verdammt viel erlebt hier, Timo fährt immer mit dem Motorrad, Tina hat Quadfahren gelernt. Damit treiben wir immer die Kühe auf ihre Weide :)
Dann haben wir schon einige male mit Anna Zäune repariert, haben Schweine und Hühner gefüttert und und und… Abends fallen wir immer wie Steine ins Bett, denn es geht jeden früh so zwischen 6 und 7 Uhr aus dem Bett.
Unser Tagesablauf sieht meist wie folgt aus: Frühs Aufstehen, dann nur schnell Zähne putzen, anziehen und dann geht zum Frühstück zu Lyn nach Hause. Nach dem Essen werden die ersten Dinge erledigt, wie Schweine und Hühner füttern, Kühe auf die Weide bringen und so weiter und dann gibt’s die erste kleine Pause, diese nennt sich „Smoko“. Da gibt es dann ein paar Plätzchcen und Kaffee oder Tee. Nach dem Smoko geht’s dann weiter mit der Arbeit bis zum Mittagessen. Dann ist der größte Teil des Tages geschafft und alle sind ziemlich erschöpft, deswegen gibt’s dann noch eine Stunde Mittagsruhe oder wie sie hier sagen „Granninap“ (Omanickerchen). Am Nachmittag werden dann die Kühe wieder zurück getrieben und zwischen 5 und 6 heizen wir oder Bobbie das Wasser für die Dusche an. Wenn dann alle sauber und frisch sind fahren wir mit unserem tollen roten Jeep (er ist wirklich toll, hat aber keine Fahrertür mehr, keine Frontscheibe, keine Spiegel und vieles mehr) zu Lyn und dann sitzen alle noch zusammen und trinken Bier oder Cola mit Rum. Spätestens um 10 sind wir dann in unserem Bettchen und schlafen tief und fest. Dabei müssen wir uns manchmal echt eng zusammen kuscheln, weil die Nächte hier verdammt kalt werden können. In der ersten Nacht hatten wir so zwischen 6 und 8 °C! *bibber*
Zwei größere Highlights haben wir hier jetzt schon miterleben dürfen. Das erste war am Mittwoch, den 16. September. An dem Tag war die Nacht schon etwas eher zu Ende, so gegen 4 Uhr… ohhh mein Gott – das war früh! Nachdem wir ein bisschen was zum Frühstück zu uns genommen hatten ging es dann auch schon los zu einem Gehege (ca. 30 km von hier entfernt), wo die ganzen Bullen, die verkauft werden sollten, standen. Dort standen dann auch schon 2 Road Trains und haben auf die Beladung gewartet. Der eine hatte 3 Hänger dran, die auch noch zwei Decks hatten. Rieeesig! Nachdem der erste Truck in Position gebracht war haben alle die Bullen durch einen schmalen Eingang hinein getrieben. Wenn es nicht weiter ging mussten die Bullen wieder angetrieben werden, da hat Timo dann immer mit geholfen und Tina hatte die Aufgabe alles Vieh zu zählen, was in die Hänger kam. Am Ende waren dann 235 Bullen verladen. Lyn, Timo und Tina fuhren dann ein Stück voraus um an einer geeigneten Stelle noch einen guten Schnappschuss von dem langen Zug zu machen. Außerdem war an dieser Stelle die steilste Steigung auf der gesammten Strecke und es war nicht ganz sicher, ob der Truck dies mit alles Hängern dran bewältigen kann. Aber er hat es geschafft. Nachdem er oben angekommen war hat er angehalten und wir haben geschaut, ob alle Bullen noch wohlauf waren, denn durch die Steigung der Straße haben sie sich nach hinten gedrängt und es hätte sein können, dass das hinterste Tier eingequetscht gewesen wäre. Jedoch waren alle gesund und munter. Also haben wir uns von den Fahrern verabschiedet und durften noch einen kurzen Blick in das „Wohnzimmer“ des Trucks werfen (gigantisch – ein großes Bett, sogar eine Mikrowelle und ein Fernseher an Board und riesig Platz um die Sitze) und dann ging die Fahrt für die Tiere weiter und wir haben unser verdienten Smoko bei den Großeltern gemacht.
Das zweite Highlight war dann gestern, am 17. September. Wir konnten uns erst einmal ein bisschen erholen und „ausschlafen“ bis um 7 ;) und dann gabs schnell Frühstück und schon gings wieder los. Auf dem Tagesplan stand die Weaners, die diesjährig geborenen Rinder mit Wurmkuren etc zu versorgen. Anna und Rob haben die Tiere im Voraus sortiert und Lyn hat mit uns dann alles vorbereitet. Zuerst kam die einzige Kuh mit Hörnern aus dieser Herde an die Reihe. Sie hatte es am schwersten an diesem Tag…. sie musste ihre Hörner lassen (was kein schöner Anblick war) dann bekam sie noch ein Branding (ein Brandzeichen) mit ihrem Geburtsjahr, eine Wurmkur und die langen Schwanzhaare wurden entfernt. Danach waren alle anderen jungen Rinder an der Reihe. Timo hat immer die Tür geöffnet, Lyn hat die nächsten Rinder hereingetrieben, Rob hat von der ersten Kuh den Kopf eingeklemmt, damit sie in dem Gatter nicht wie wild umher rennen und dann ging´s los. Timo hat die langen Schwanzhaare abgeschnitten, Rob hat ihnen eine Spritze und die Wurmkur verpasst, Lyn hat, wenn noch nicht vorhanden eine Ohrmarke ins Ohr geschossen und Tina hatte die Aufgabe die „Pistole“ immer wieder mit neuen Marken zu laden. Bei den letzten Tieren durfte Tina dann auch mit schießen :).
Als dann alle Tiere versorgt waren haben wir sie mit Rob nachmittags ca. 5 km weit auf eine Weide getrieben. Timo ist meist an der Seite oder mit Tina am Ende gefahren und Rob hat die Herde geleitet und uns immer Zeichen gegeben, was wir zu tun haben. Tina ist am Ende immer wieder eine etwas kleinere Kuh aufgefallen, die immer und immer wieder am Ende gelaufen ist. Da sie mir immer wieder aufgefallen ist, hab ich ihr dann einen Namen gegeben: „Berta“ :D
Dieses Wochenende sind wir mal die „Manager“ der Farm, denn Rob und Lyn sind weggefahren, um neue Bullen auszusuchen. Anna ist bei ihrer Schwester auf der Farm, da sie mit ihrem Mann in die Stadt gefahren ist. So sind wir hier ganz alleine, nur Bobbie ist da, aber auch nur abends, denn tagsüber sucht er nach Gold. So ist Timo das Wochenende mal nur Timo und nicht, wie Rob ihn immer nennt: Häääns, Micky, Alex und so weiter :D und Tina kann ihr Diesel (Cola&Bier) trinken ohne Blicke des Zweifels zu ernten :D
Das waren die ersten Eindrücke von unserem neuen Farmleben und wir sind gespannt, was wir noch alles machen und erleben dürfen!
Bis bald,
Timo & Tina
P.S.: Wir haben auch neue Bilder und Videos hochgeladen!
